Ausbildung und Berufsbild: Rechtsanwalts­fachangestellte/r

Das Berufsbild Rechtsanwaltsfachangestellte oder Rechtsanwaltsfachangestellter gehört zu den beliebtesten in Deutschland. Im Jahr 2012 wurden in ganz Deutschland knappe 4200 belegte Ausbildungsplätze in diesem Bereich der Berufe gezählt. In den vergangenen Jahren bewegte sich dieser staatlich anerkannte Ausbildungsberuf stets zwischen Platz 14 und 17 auf der Beliebtheitsskala der Neuabschlüsse von Berufsausbildungen. Kein Wunder, schließlich handelt es sich um einen spannenden und vielfältigen Beruf mit interessanten Tätigkeitsfeldern und zahlreichen Weiter- sowie Fortbildungsmöglichkeiten.

Eine Rechtsanwaltsfachangestellte kann viele Jobs ergreifen

Eine Rechtsanwaltsfachangestellte kann viele Jobs ergreifen

Wer also mit dem Gedanken spielt, die Berufsausbildung zum/r Rechtsanwaltsfachangestellten zu durchlaufen, sollte sich hier einmal grundlegend über die Anforderungen, Tätigkeitsfelder, Ausbildungsmöglichkeiten, Verdienstspannen uvm. informieren, um sich anschließend guten Gewissens für oder gegen diesen Beruf entscheiden zu können.

Wir helfen Ihnen bei dieser Entscheidung mit folgenden sowie zahlreichen weiteren Artikeln und Informationen rund um die Berufe der/s Rechtsanwaltsfachangestellten bzw. -angestellten:

  • Was ist ein Rechtsanwaltsfachangestellter?
  • Welche Aufgaben und Tätigkeiten umfasst dieser Beruf?
  • Welche Möglichkeiten der Ausbildung gibt es zur/m Rechtsanwaltsfachangestellten?
  • Wie lange dauert die klassische Ausbildung und welche Inhalte umfasst sie?
  • Was bedeutet „staatlich anerkannter Ausbildungsberuf“ und welche Vorteile bringt das mit sich?
  • Kann der Beruf auch in Form eines dualen Studiums erlernt werden?
  • Welche Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten stehen mit dem Abschluss offen?
  • Wie groß sind die Verdienstspannen in den jeweiligen Bereichen?
  • Wie kann ich schlussendlich feststellen, ob dies der richtige Beruf für mich ist?

Was ist ein Rechtsanwaltsfachangestellter?

Ein/e Rechtsanwaltsfachangestellte/r, früher Rechtsanwaltsgehilfin oder -gehilfe genannt, arbeitet in erster Linie unterstützend einem Anwalt zu. Dabei werden für die rechtlichen Dienstleistungen der Rechtsanwälte grundlegende Verwaltungs- und Büroaufgaben erledigt. Doch es handelt sich hier nicht um reine Schreibtischarbeit.

Im Gegenteil: Die oder der Rechtsanwaltsfachangestellte betreut in der Regel auch die hauseigenen Mandanten und steht viel im Kundenkontakt. Daher sind neben organisatorischen auch soziale Fähigkeiten unbedingt notwendig, um den Job „Rechtsanwaltsfachangestellte“ ausüben zu können.

Doch nicht nur die Kanzleien selbst haben Stellenangebote für Rechtsanwaltsfachangestellte, auch Inkassobüros, Mahnabteilungen, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Banken, Warenhausketten oder Versicherungen sind beliebte Anlaufstellen bei der Jobsuche für Rechtsanwaltsfachangestellte. Grob gesagt, umfasst das Berufsbild „Rechtsanwaltsfachangestellte/r“ zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten rund um das Thema „Recht“.

Welche Aufgaben und Tätigkeiten umfasst dieser Beruf?

Je nach Stelle, die ein/e Rechtsanwaltsfachangestellte/r später annimmt, können sich die Tätigkeitsfelder durchaus stark voneinander unterscheiden. Im klassischen Sinne bewegen sich diese aber vor allem in folgenden Bereichen:

  • Unterstützung und Zuarbeit von Rechtsanwälten bei den anfallenden Verwaltungs- und Büroaufgaben sowie rechtlichen Dienstleistungen
  • Mandantenbetreuung und Kundenkontakt
  • Verfassen, Korrigieren oder Vorbereiten von Schriftsätzen
  • Organisieren und Anlegen von Akten
  • Kalenderführung, Fristberechnung und Gebührenfestsetzung
  • Koordination der Kunden- und Gerichtstermine
  • Buchführung
  • uvm.

Während in Inkassobüros, bei Versicherungen oder ähnlich spezialisierten Arbeitsstellen eher themenspezifische Aufgaben anfallen, arbeiten Rechtsanwaltsfachangestellte in der Kanzlei vor allem als Allroundkraft. Das erfordert dann zwar einerseits eine große Bandbreite an Talenten und Fähigkeiten, bietet andererseits aber ein abwechslungsreiches Berufsbild, in dem es nur selten langweilig wird.

Welche Möglichkeiten der Ausbildung gibt es zur/m Rechtsanwaltsfachangestellten?

Das Berufsbild ist je nach Unternehmen verschieden. Ein Rechtsanwaltsfachangestellter muss sich mit Recht auskennen

Das Berufsbild ist je nach Unternehmen verschieden. Ein Rechtsanwaltsfachangestellter muss sich mit Recht auskennen

Klassischerweise handelt es sich bei dem Job „Rechtsanwaltsfachangestellte“ um einen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf. Diese kaufmännische Ausbildung findet im Mix aus der Arbeit in einem Ausbildungsbetrieb und theoretischem Unterricht an der Berufsschule statt.

Ein solcher Ausbildungsbetrieb kann zum einen eine Kanzlei sein, zum anderen ist aber auch die Arbeit in der Rechtsanwaltskammer oder einem der bereits genannten Tätigkeitsfelder denkbar. Die Bewerbung für staatlich anerkannte Ausbildungsberufe findet direkt bei dem auszubildenden Unternehmen statt, welches wiederum in der Regel die Anmeldung für die Berufsschule übernimmt.

Besondere Zulassungsvoraussetzungen gibt es für das „Rechtsanwaltsfachangestellte“ Berufsbild prinzipiell nicht. Da es an gesetzlichen Bestimmungen mangelt, ist die Ausbildung theoretisch sogar ohne einen Hauptschulabschluss möglich. Diese Chance ergreifen aber nur rund ein Prozent der Ausbildungsanfänger. Denn die meisten Betriebe setzen eigene Anforderungen voraus, worunter in der Regel der mittlere Schulabschluss fällt.

Dies ist in 57 Prozent der Neuverträge der Fall. Sieben Prozent der Azubis treten ihre Ausbildung mit einem Hauptschulabschluss an, 35 Prozent sogar mit der allgemeinen oder Fachhochschulreife. Je nach Bewerbung, sollten die Anforderungen der Stellenbeschreibung des Betriebes deshalb genau gelesen werden.

Ebenso kann es durchaus hilfreich sein, sich bereits im Voraus über die mögliche Weiter- oder Fortbildung zu informieren, um sich eventuelle Voraussetzungen hierfür noch rechtzeitig aneignen zu können. So haben Rechtsanwaltsfachangestellte schlussendlich eine große Auswahl an unterschiedlichen Möglichkeiten, ihr späteres Arbeitsfeld selbst zu definieren.

Wie lange dauert die klassische Ausbildung und welche Inhalte umfasst sie?

Diese duale Ausbildung umfasst drei Jahre, sprich 36 Monate, und wird je nach Ausbildungsjahr unterschiedlich vergütet. Innerhalb der einzelnen Ausbildungsjahre wiederum, müssen Prüfungen bestanden und Leistungen erbracht werden. In besonderen Ausnahmefällen, wie Krankheit oder Schwangerschaft, kann die Ausbildung unterbrochen oder verlängert werden.

Die Inhalte der Berufsausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten bzw. zum -angestellten ergeben sich aus einer Mischung zwischen kaufmännischen Grundlagen, Spezialfächern zum Thema „Recht“ und der praktischen Arbeit im Betrieb. „Rechtsanwaltsfachangestellte“ gilt als kaufmännische Ausbildung und bietet daher erst einmal ein breites Grundlagenwissen in den Bereichen:

  • Deutsch
  • Mathematik
  • Buchführung
  • Allgemeine Wirtschaftslehre
  • Daten- und Textverarbeitung

Das Berufsbild "Rechtsanwaltsfachangestellte" setzt auch das Verfahrens- und Zwangsvollstreckungsrecht voraus

Das Berufsbild „Rechtsanwaltsfachangestellte“ setzt auch das Verfahrens- und Zwangsvollstreckungsrecht voraus

Hinzu kommen Fächer, wie die Allgemeine Rechtslehre, das Kosten- und Gebührenrecht oder Verfahrens- und Zwangsvollstreckungsrecht. In der Regel müssen diese spätestens zum Ende des zweiten Ausbildungsjahres in Form einer Zwischenprüfung bestanden werden. Das dritte Lehrjahr wiederum widmet sich vermehrt der Vertiefung der gewonnen Erkenntnisse sowie der Gewinnung von Routine im praktischen Arbeitsalltag.

Dieser ist zu Beginn vor allem durch die Mitarbeit und Assistenz bereits ausgebildeter Fachkräfte gefüllt. Im Laufe der ersten zwei Jahre werden so die Grundlagen und gegenwärtig anfallenden Tätigkeiten in dem Betrieb erlernt. Das dritte Ausbildungsjahr dient auch hier der Routine und dem selbstständigen Arbeiten. Ausbildungsinhalte können je nach Ausbildungsbetrieb schwanken, umfassen in der Regel aber vor allem folgende Tätigkeiten:

  • Organisation und Praxis in einem Kanzleibüro
  • Aufbau und Aufgaben der Rechtspflege
  • Rechtliche Grundlagen und fallbezogene Rechtsanwendung in den Bereichen des Handels-, Gesellschafts- und bürgerlichen Rechts (manchmal auch Arbeits- und Sozialrecht)
  • Ablauf und Rechtsanwendung im Verfahren der freiwilligen Gerichtsbarkeit sowie fallbezogen auch im Zivil-, Straf- und Bußgeldverfahren
  • Mitarbeit oder selbstständige Bearbeitung im gerichtlichen Mahnverfahren, in der Zwangsvollstreckung oder bei Insolvenzangelegenheiten
  • Grundlagen der besonderen Gerichtszweige
  • Verstehen und Erstellen von Vergütungsrechnungen

Den Ausbildungsabschluss in Form einer Prüfung übernimmt die Rechtsanwaltskammer. Die Abschlussprüfung unterliegt der „Verordnung über die Berufsausbildung zum/zur Rechtsanwaltsfachangestellten, zum/zur Notarfachangestellten, zum/zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten und zum/zur Patentanwaltsfachangestellten (ReNoPat-Ausbildungsverordnung – ReNoPatAusbV)“ und besteht aus einem schriftlichen und mündlichen Teil. Schriftliche Prüfungsfächer sind: Recht, Wirtschafts- und Sozialkunde, Rechnungswesen, fachbezogene Informationsverarbeitung, Zivilprozessrecht und das Rechtsanwaltsvergütungsrecht.

Was bedeutet „staatlich anerkannter Ausbildungsberuf“ und welche Vorteile bringt das mit sich?

Der Zusatz „staatlich anerkannt“ bringt bei diesem Ausbildungsberuf zahlreiche Vorteile mit sich, die auf den ersten Blick oft gar nicht so sehr ins Auge stechen. Wann und warum Rechtsanwaltsfachangestellte diesen Zusatz benötigen, hängt dabei von vielen verschiedenen Faktoren ab, wie dem Alter des Bewerbers oder der finanziellen Situation des Auszubildenden. Erst aber einmal zur Frage „Was bedeutet eigentlich staatlich anerkannt“?

Insgesamt gibt es in Deutschland etwa 340 staatlich anerkannte Berufsausbildungen. Ihr Zweck besteht in der beruflichen Qualifikation von Jugendlichen. Aus diesem Grundsatz heraus, sind staatlich anerkannte Ausbildungen ganz besonders reglementiert sowie aber auch gefördert. Grundlage ist das Berufsbildungsgesetz mit seinen Ausbildungsordnungen und der staatlichen Überwachung der Ausbildung.

Was bedeutet das nun konkret für den Auszubildenden?

Die Rechtsanwaltsgehilfin muss vorher eine dreijährige Ausbildung absolvieren

Die Rechtsanwaltsfachangestellte muss vorher eine dreijährige Ausbildung absolvieren

Staatlich anerkannte Ausbildungen sind bundesweit einheitlich geregelt und bieten so eine Bundeslandübergreifende Qualifikation. Das heißt, ein Jobwechsel, der mit einem Ortswechsel über die Ländergrenze hinaus verbunden ist, dürfte nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung oder in Ausnahmefällen sogar während der Ausbildung keine weiteren Probleme verursachen.

Wichtig ist zudem, dass jene staatlich anerkannten Ausbildungen bereits mit einem Alter von unter 18 Jahren angetreten werden dürfen. Die Ausbildungsvergütung ist dabei gesetzlich vorgeschrieben, kann in ihrer Höhe aber schwanken. Wo das Gehalt nicht zum Leben reicht, kann finanzielle Hilfe beantragt werden, zum Beispiel in Form von BAföG.

Die entsprechenden Förderungsvoraussetzungen können auf der Internetseite der Bundesausbildungsförderung nachgelesen werden. Dieser finanzielle Aspekt ist mit ein Hauptgrund, warum sich 60 Prozent aller Schulabgänger in Deutschland für eine staatlich anerkannte Ausbildung entscheiden.

Kann der Beruf auch in Form eines dualen Studiums erlernt werden?

Nein. Im Moment kann die Ausbildung zur/m Rechtsanwaltsfachangestellte/-angestelltem nur als duale Ausbildung absolviert werden. Dennoch kommt ein duales Studium durchaus infrage und zwar als Weiterbildungsmöglichkeit nach der erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung.

Denn diese gilt als fachspezifische Hochschulzugangsberechtigung und bietet so zahlreiche Möglichkeiten für ein Studium „auf die Ausbildung“. Ob es dann gleich in Richtung Jura gehen soll, doch lieber wirtschaftlich orientiert ist oder eine Spezialisierung im Bankenbereich bedeutet, steht jedem Absolventen natürlich frei. Das duale Studium kann dann eine gute Wahl sein, um sich dieses nebenher finanzieren und zugleich im praktischen Arbeitsalltag weiter Erfahrungen sammeln zu können.

Welche Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten stehen mit dem Abschluss offen?

Doch natürlich ist ein Studium nicht die einzige Möglichkeit, sich beruflich weiterzuentwickeln. Ob direkt nach der Ausbildung, einige Jahre später, um der Routine zu entkommen, oder einfach um sich neu zu orientieren – das Berufsbild „Rechtsanwaltsfachangestellte/r“ bringt zahlreiche Weiter- und Fortbildungsmöglichkeiten mit sich:

  • Betriebswirt für Recht
  • Bürofachwirt
  • Geprüfter Rechtsfachwirt
  • Fachkaufmann oder -kauffrau für Büromanagement
  • Bachelor in Rechtswissenschaft
  • Fernlehrgang Rechtsassistent/in
  • Steuerfachangestellter
  • Notarfachangestellter
  • Verwaltungsfachangestellter
  • uvm.

Jobs für Rechtsanwaltsfachangestellte gibt es genug, auch Weiterbildungen werden oft angeboten

Jobs für Rechtsanwaltsfachangestellte gibt es genug, auch Weiterbildungen werden oft angeboten

Die einfachste und beliebteste Variante der Weiterbildung ist als erster Schritt oft die Fortbildung zum Rechtsfachwirt. Dieser fungiert dann als Sachbearbeiter in einer Kanzlei oder einem Unternehmen und kann Aufgaben in der Organisation und Verwaltung des Betriebes übernehmen. Die oberste zu erreichende Hierarchiestufe ist die gesamte Leitung einer Kanzlei.

Der geprüfte Rechtsfachwirt ist ein Titel, der als Fernstudium erlangt werden kann. Die Abschlussprüfung findet hier ebenfalls vor der Rechtsanwaltskammer statt. Es handelt sich um ein kurzes Aufbaustudium mit drei Semestern, in welchen vor allem folgende Lehrinhalte vermittelt werden sollen:

  • Büroverwaltung und -organisation
  • Mandantenbetreuung
  • Personalmanagement
  • Kosten-, Prozess- und Gebührenrecht
  • materielles Recht
  • Zwangsvollstreckung

Die Arbeitsweise findet im Mix aus dem eigenständigen Aneignen von Wissen mithilfe der Studienunterlagen sowie mehreren Präsenzveranstaltungen statt. Spezielle Online-Plattformen ermöglichen zudem den effektiven Austausch zwischen den Studenten über ortsungebundene Foren.

So ein Forum für Rechtsanwaltsfachangestellte dient dem Erfahrungsaustausch, der gegenseitigen Hilfe oder der Zusammenarbeit in Teams. Als Voraussetzung für das Studium ist eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung zum Rechtsanwalts- oder Notarfachangestellten dringend erforderlich. Hinzu kommt meist eine Mindestvoraussetzung an Arbeitspraxis, in der Regel rund ein halbes Jahr.

Wer sich mehr für die wirtschaftlichen Abläufe interessiert und seine Aufstiegschancen vielleicht in der Industrie sucht, der sollte die Weiterbildung zum Betriebswirt für Recht wählen. Hierbei handelt es sich um eine Fachkraft für Wirtschaftsunternehmen, die bislang zahlreiche offene und attraktive Stellen zur Auswahl hat.

Auch öffentliche Verwaltungen haben häufig Stellenangebote für weitergebildete Rechtsanwaltsfachangestellte mit dem Titel „Betriebswirt für Recht“. Die derzeit offenen und analysierten Arbeitsplätze liegen größtenteils in der mittleren Führungsebene und sind verhältnismäßig gut bezahlt.

Besonders häufig gibt es die Stellenausschreibungen in extra Rechtsabteilungen zahlreicher Unternehmen aus den verschiedensten Branchen. Wer also genug hat vom Rechtswesen oder sich gerne in einem anderen Bereich weiterbilden möchte, der erhält mit dem Betriebswirt für Recht die beste Grundlage für den beruflichen Aufstieg.

Diese Fortbildung findet in Form von Lehrgängen statt, die vor allem an Wirtschafts- und Verwaltungsakademien angeboten werden. Je nach Angebot, dauern diese drei bis vier Semester und sollen qualifizierte sowie relevante betriebswirtschaftliche und juristische Inhalte vermitteln. Neben der erfolgreich abgeschlossenen Berufsausbildung, müssen die Bewerber hier noch eine mindestens einjährige Berufspraxis nachweisen können. Manche Bundesländer setzen zudem den mittleren Bildungsabschluss oder die Fachoberschulreife voraus.

Wie groß sind die Verdienstspannen in den jeweiligen Bereichen?

Die Rechtsanwaltsfachangestellte pflegt auch Kontakt zu den Mandanten

Die Rechtsanwaltsfachangestellte pflegt auch Kontakt zu den Mandanten

Zwar ist, wie bereits erwähnt, gesetzlich vorgeschrieben, dass Auszubildende in der staatlich anerkannten Ausbildung zur/m Rechtsanwaltsfachangestellten Gehalt beziehen müssen, die Höhe allerdings ist nicht definiert.

Als Grundlage dient deshalb jeweils die Empfehlung der zuständigen Rechtsanwaltskammer. Rechtsanwaltsfachangestellte verdienen deutschlandweit durchschnittlich 550 Euro im ersten Ausbildungsjahr, rund 600 Euro im zweiten und etwa 650 Euro im dritten Jahr der Ausbildung. Allerdings handelt es sich hierbei lediglich um Durchschnittswerte. Als Ober- und Untergrenzen ergaben unsere Recherchen in etwa folgende Werte:

  1. Ausbildungsjahr: etwa 250 bis 650 Euro
  2. Ausbildungsjahr: etwa 300 bis 750 Euro
  3. Ausbildungsjahr: etwa 350 bis 850 Euro

Wem der Verdienst nicht für den Lebensunterhalt reicht, der kann entsprechende Fördermittel beantragen, siehe Kapitel „Was bedeutet „staatlich anerkannter Ausbildungsberuf“ und welche Vorteile bringt das mit sich?“.

Nach der Ausbildung werden Sie zum Einstiegsgehalt übernommen oder in einem neuen Betrieb eingelernt. Dieses bewegt sich bei durchschnittlich 1500 Euro brutto. Doch auch hier gibt es große Unterschiede, die vom Bundesland, der Arbeitsstelle und dem Fachgebiet abhängen.

Eine Steuerklassenermittlung ergab den bundesweiten Durchschnitt von 22.119,20 Euro brutto im Jahr. Das wären dann rund 1.843,27 Euro im Monat. Wer schon länger in seinem Beruf arbeitet, kann mit einem steigenden Gehalt rechnen. Einzelangaben zum jährlichen Bruttogehalt wären zum Beispiel:

  • 21.000 Euro (23 Jahre alt)
  • 39.000 Euro (37 Jahre alt)
  • 16.250 Euro (22 Jahre alt)

Die Gehaltsspannen sind demnach denkbar groß und gewiss lohnt es sich hin und wieder, bei der Konkurrenz zu spicken. Entsprechende Internetportale bieten zudem individuelle und anonyme Gehaltsvergleiche an.

Doch gerade durch die Vielfalt dieses Berufes ergeben sich auch praxisbedingte Gehaltsunterschiede, die einen objektiven Vergleich sehr erschweren. Denn je nach Tätigkeitsfeld sind andere Gehälter üblich.

Große Kanzleien zahlen zum Beispiel häufig besser als kleine. Noch besser zahlen Banken, Versicherungen, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften oder Mahnabteilungen. Und noch einmal mehr können Rechtsanwaltsfachangestellte verdienen, wenn sie sich entsprechend fort- oder weiterbilden.

So verdient der Rechtsassistent bereits mehr als Rechtsanwaltsfachangestellte und ein Rechtsfachwirt kann bereits auf rund 500 Euro mehr Lohn hoffen.

Hier liegt der monatliche Brutto-Durchschnitt bei etwa 2200 Euro. Im gewerblichen Rechtsschutz, zum Beispiel bei Patent- oder Markenanwälten, werden auch mal 2.800 Euro im Monat gezahlt, bis zu 3.000 Euro sind es dann durch Zusatzausbildungen zum Rechtsfachwirt, Sprachkurse oder die Weiterbildung in besonders spezialisierten Rechtsthemen. Zuletzt braucht es natürlich auch einfach Zeit, denn mit der Berufserfahrung wächst der finanzielle Wert eines Mitarbeiters.

Wie kann ich schlussendlich feststellen, ob dies der richtige Beruf für mich ist?

Der Beruf "Rechtsanwaltsfachangestellte" ist vielseitig; jedoch müssen Sie auch Akten bearbeiten

Der Beruf „Rechtsanwaltsfachangestellte“ ist vielseitig; jedoch müssen Sie auch Akten bearbeiten

Auf die Frage, warum Rechtsanwaltsfachangestellte der richtige Beruf für Sie sein könnte oder ob die Jobs in dieser Branche vielleicht doch nicht so passend wären, können Sie im Endeffekt nur selbst eine Antwort geben. Grundlegende Entscheidungshilfen sind natürlich alle Informationen, die Sie im Vorfeld erhalten können.

Hierbei möchten wir Ihnen helfen. Gleichzeitig gilt es auch, die Zulassungsvoraussetzungen zu überprüfen und eventuell einmal ein Praktikum in einem entsprechenden Betrieb zu absolvieren. Hier darf ruhig auch einmal „ausprobiert“ werden: Verbringen Sie doch vielleicht je vier Wochen in einer Kanzlei, im Mahnwesen, in der Rechtsabteilung der Industrie oder probieren Sie aus, wie es ist, als Rechtsanwaltsfachangestellte bei Gericht zu arbeiten.

Die Praxis ist schließlich häufig doch anders als erwartet. Wer dazu aber nicht die Möglichkeit oder Zeit hat, kann durch zahlreiche weitere Maßnahmen feststellen, ob der Beruf Rechtsanwaltsfachangestellte/r der richtige wäre:

  1. Legen Sie erst einmal verschiedene Listen an: Was können Sie und was nicht? Wo liegen Ihre Stärken und Talente? Wo die Schwächen? Was wünschen Sie sich von Ihrem Job (zum Beispiel soziale Kontakte) und was können Sie sich überhaupt nicht vorstellen („nur am Schreibtisch sitzen“)?
  2. Nun gilt es zu prüfen, welche Berufe auf diese Listen passen und welche von Vornherein ausscheiden. Für den Beruf Rechtsanwaltsfachangestellte haben wir Ihnen hierfür die Anforderungen und Ausbildungsvoraussetzungen in einem extra Artikel zusammengetragen.
  3. Berufstests können Ihnen noch einmal zusätzlich unter die Arme greifen. Entsprechende Tests gibt es zuhauf im Internet. Allerdings sollten Sie auf die Seriosität des Anbieters achten und die Ergebnisse nicht zu sehr auf die Waagschale legen. Nehmen Sie es eher als groben Richtungsweiser.
  4. Nach dieser Selbstanalyse sollte zumindest die grobe Richtung, bestenfalls die Branche klar sein. Steht „Rechtsanwaltsfachangestellte“ immer noch ganz oben auf der Liste? Gut, dann sollte ein Ortsprofil mit den verschiedenen Arbeitsmöglichkeiten angelegt werden: Wo möchten Sie arbeiten? Welche Betriebe gibt es in der Umgebung? Soll es die Kanzlei oder das Industrieunternehmen sein? Schließlich gibt es gerade bei der Tätigkeit im Rechtswesen große Unterschiede zwischen den einzelnen Stellen.
  5. Jetzt geht es darum, gezielt Stellenangebote zu suchen und zu analysieren. Wer sucht eine/n Auszubildende/n als Rechtsanwaltsfachangestelle? Was könnte ich mir vorstellen und erfülle ich die genannten Anforderungen?
  6. Wer sich jetzt sicher ist, kann sich bereits bewerben und das Bewerbungsgespräch auf sich wirken lassen. Denn hier werden häufig noch einmal wichtige Fragen geklärt und Sie können die Atmosphäre des Arbeitsplatzes sowie Ihren Vorgesetzten besser einschätzen. Schlussendlich kann nun das Bauchgefühl für oder gegen die Stelle entscheiden.
  7. Es hilft jedoch alles nichts, Sie sind sich einfach unsicher? Dann kann vielleicht eine professionelle Berufsberatung helfen. Solche werden von verschiedenen Instanzen angeboten, teilweise gar kostenlos, und können durchaus helfen, um noch einmal einen anderen Blick auf das Problem zu erhalten oder nach Alternativen zu suchen.
  8. In einem Forum für Rechtsanwaltsfachangestellte können Sie sich zudem mit erfahrenen Arbeitskräften aus diesem Bereich austauschen, sich Fragen beantworten lassen und durch Berichte mehr über den Arbeitsalltag lernen. Solche Erfahrungsberichte können durchaus eine Entscheidung positiv oder negativ beeinflussen.

Teilweise gibt es sogar gezielte Aussagen über Arbeitgeber, Kanzleien oder die anstellenden Unternehmen, die einen kostenlosen, anonymisierten und erfrischend ehrlichen Blick auf den Betrieb eröffnen. Einige Beispiele gibt es hier:

An sich ist der Beruf sehr interessant und sehr anspruchsvoll. Die Berufsschule ist gar nicht so schwer wie alle sagen man kommt mit dem Stoff gut durch. Zum Lernen ist es dann aber doch ab und zu mal etwas viel.

Es kommt definitiv darauf an, wie viel Freude einem der Beruf bereitet und vor allem, wo man arbeitet. Ich werde in meinem Betrieb tatkräftig unterstützt. Meine Fragen (und ich stelle viele Fragen) werden immer beantwortet und so oft erklärt, bis ich es verstanden habe. Die Atmosphäre in unserem Büro ist grandios! Die Kollegien sind freundlich und sowohl mein Chef als auch die anderen Anwälte haben ein offenes Ohr für uns und sind immer sehr freundlich.

Zuerst einmal kommt es darauf an, wo man seine Ausbildung macht. Es gibt immer unterschiedliche Menschen als Chefs. Zu meiner Kanzlei kann ich überwiegend Gutes sagen! Zum Beispiel hat mir mein Chef gestattet, jeden Tag zehn Minuten später anzufangen und aufzuhören als die anderen, damit ich meinen Bus nach Hause kriege. Das finde ich super und bin auch sehr dankbar dafür! Außerdem sind alle Leute in der Kanzlei immer freundlich und helfen mir weiter, wenn ich Hilfe brauche.

Der Beruf ist super für alle, die gerne am Computer schreiben und gut mit Menschen umgehen können. Man hat viel Kontakt mit den Mandanten, bekommt Einblicke in deren Leben, was die Schweigepflicht natürlich wichtig macht! Außerdem ist der Beruf für alle das Richtige, die gerne Büroarbeit machen. (Quelle: ausbildung.de)

Bildnachweise:
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4 Reaktionen

  1. Claudia W.
    Claudia W. um · Antwort

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    vielen Dank für diese ausführlichen Informationen. Allerdings habe ich eine spezielle Frage, zu der ich keine Hinweise gefunden habe. Wer ist in Deutschland zuständig für die Anerkennung ausländischer Ausbildungen (Ungarn), bei denen als Referenzberuf Rechtsanwaltsfachangestellte infrage kommt?
    Mit freundlichen Grüßen
    Claudia W.

    1. rechtsanwaltsfachangestellte.org
      rechtsanwaltsfachangestellte.org um · Antwort

      Hallo Claudia,
      die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen ist zuständig für die Anerkennung dieser Abschlüsse. Sie können sich aber auch beim zuständigen Kultusministerium sowie bei der entsprechenden Rechtsanwaltskammer diesbezüglich informieren.
      Ihr Team von Rechtsanwaltsfachangestellte.org

  2. Sabrina
    Sabrina um · Antwort

    Hallo zusammen,

    ich habe eine Frage bezüglich der Weiterbildungsmöglichkeit zur Steuerfachangestellen. An wen muss ich mich wenden? Ich war gestern bereits bei der Agentur für Arbeit, die hatten keine Ahnung davon und haben das auch noch nie gehört?

    Vielen Dank!

    Liebe Grüße

    Sabrina

    1. rechtsanwaltsfachangestellte.org
      rechtsanwaltsfachangestellte.org um · Antwort

      Hallo Sabrina,
      möchte Sie eine Weiterbildung zur Steuerfachangestellten machen, schauen Sie am besten im Internet, welche Bildungsträger in Ihrer Nähe dies anbieten. Auch Jobbörsen können hilfreich sein, wo sich derartige Einrichtungen vorstellen. Die Agentur darf keine Werbung für bestimmte Anbieter machen, deshalb müssen Sie da selbst initiativ werden. Womöglich bietet Ihre Agentur für Arbeit eine Börse an, wo sich verschiedene Bildungsträger vorstellen.
      Ihr Team von Rechtsanwaltsfachangestellte.org

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