Arbeitszeugnisse waren in den letzten Jahren immer wieder in den Schlagzeilen: Sie seien ungerecht, aufwändig und nur von Personalern selbst zu verstehen. Was vordergründig schön klingt, kann in Wahrheit ein wirklich schlechtes Zeugnis sein. Die Praxis der Arbeitszeugnisse steht daher politisch immer mehr in der Kritik und die Gerichtsverfahren gegen ungerechte Zeugnisse nehmen in ihrer Zahl stetig zu – und das völlig branchenunabhängig. So sind natürlich auch Rechtsanwaltsfachangestellte von dem Dilemma mit dem Arbeitszeugnis betroffen und stellen sich nicht selten die Frage: Brauche ich so ein Zeugnis überhaupt noch? Welche sind meine Rechte und wie finde ich heraus, ob es sich um ein gutes oder schlechtes Zeugnis handelt?

Wofür ein Arbeitszeugnis?

Ein Arbeitszeugnis ist auch für Rechtsanwaltsfachangestellte wichtig

Ein Arbeitszeugnis ist auch für Rechtsanwaltsfachangestellte wichtig

Ein Arbeitszeugnis ist für Rechtsanwaltsfachangestellte dann nötig, wenn sie den Job wechseln möchten. Es ist sozusagen eine Visitenkarte für die Bewerbung. Der Personaler kann aus einem professionellen Zwischenzeugnis schnell erkennen, ob es sich um eine fleißige und kompetente Arbeitskraft handelt und ob Sie gekündigt wurden oder selbst den Schritt gewagt haben. Das Arbeitszeugnis ist daher häufig das Erste, was sich ein Personaler bei einer eingehenden Bewerbung ansieht.

Besonders ausschlaggebend sind hierbei die letzten Zeilen eines Zeugnisses, da es sich um eine kurze und übersichtliche Zusammenfassung der Bewertung handelt. Wer sich mit Berufserfahrung auf eine Stelle bewirbt muss unbedingt ein Arbeitszeugnis beilegen, um einen guten Eindruck zu hinterlassen. Qualität und Fairness sind deshalb für ein Arbeitszeugnis unerlässlich. Und genau hier entstehen die meisten Probleme.

Welche Inhalte muss ein Arbeitszeugnis haben?

Rechtlich gesehen muss ein Arbeitszeugnis gemäß § 109 der Gewerbeordnung folgende Aussagen über den bzw. die Mitarbeiter/in enthalten:

  1. Aussagen zu Dauer und Art der Beschäftigung (Bestandteil jedes sogenannten „einfachen“ Arbeitszeugnisses).
  2. Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis kann auf Wunsch erstellt werden und beschreibt zusätzlich die Leistung sowie das Verhalten des zu Beurteilenden.
  3. Unterschrift des ausstellenden Vorgesetzten, Ort und Datum der Zeugniserstellung.

Weiterhin gilt, dass ein Zeugnis immer wohlwollend sowie verständlich und klar verfasst werden muss. Herabwürdigungen oder Anspielungen sind ausdrücklich zu unterlassen. Doch was können Sie eigentlich tun, wenn Sie mit dem Arbeitszeugnis für Rechtsanwaltsfachangestellte nicht einverstanden sind?

Können sich Rechtsanwaltsfachangestellte gegen das Arbeitszeugnis wehren?

Ja, sie können gegen ein Arbeitszeugnis Widerspruch einlegen. Das gerichtliche Vorgehen allerdings ist nur in begrenztem Maße möglich. Hierfür müssen die Rechte des/r Rechtsanwaltsfachangestellten durch fehlerhafte Formulierungen verletzt worden sein.

In beiden Fällen bietet es sich an, sich einmal ausführlich anwaltlich beraten zu lassen. Wenn Sie Widerspruch einlegen, so sollten Sie das Schreiben sowie die Änderungswünsche klar formulieren. Er sollte zudem so schnell wie möglich erfolgen.

Die in Deutschland übliche Frist für Einwände gegen ein Arbeitszeugnis beläuft sich auf drei Monate. Sie können in diesem Zeitraum vom Arbeitgeber die Erstellung eines überarbeiteten Zeugnisses verlangen.

Regelungen rund um das Arbeitszeugnis für Rechtsanwaltsfachangestellte finden sich oftmals im Arbeitsvertrag

Regelungen rund um das Arbeitszeugnis für Rechtsanwaltsfachangestellte finden sich oftmals im Arbeitsvertrag

Rechtsanwaltsfachangestellte sollten aber zuvor noch einen Blick in ihren Arbeitsvertrag oder einen eventuellen Tarifvertrag werfen, denn hier können abweichende Regelungen vereinbart worden sein.

Sollte durch das fehlerhafte Arbeitszeugnis für Rechtsanwaltsfachangestellte gar ein Schaden entstanden sein, so können Sie beim Arbeitgeber Schadenersatz einfordern.

Die Beweislast allerdings liegt beim Arbeitnehmer. Und der Nachweis, dass dem Kläger eine Stelle nur aufgrund der Formulierungen im Arbeitszeugnis verwehrt wurde, stellt sich in der Praxis als äußerst schwierig heraus.

Worin liegt der Unterschied zum Zwischenzeugnis?

Ein Zwischenzeugnis ist eigentlich nichts anderes als ein Arbeitszeugnis. Es kann ebenso als einfaches oder qualifiziertes Arbeitszeugnis ausgestellt werden. Der Unterschied ist allerdings jener, dass ein Arbeitszeugnis für Rechtsanwaltsfachangestellte immer am Ende eines Beschäftigungsverhältnisses steht.

Ein Zwischenzeugnis hingegen, wie der Name bereits vermuten lässt, wird während des Beschäftigungsverhältnisses ausgestellt. Als Grundregel gilt, dass jeder Arbeitnehmer etwa alle fünf Jahre so ein Zwischenzeugnis beantragen sollte.

Weshalb? Vielleicht haben Sie zehn Jahre lang einwandfreie Arbeit geleistet. Plötzlich kommt ein neuer Vorgesetzter, mit welchem Sie auf Kriegsfuß stehen. Sie kündigen und erhalten ein durchschnittliches Arbeitszeugnis.

Hätten Sie sich zuvor ein gutes bis sehr gutes Zwischenzeugnis ausstellen lassen, so wären Sie nun in einer besseren Position für die Bewerbung auf eine neue Stelle. Daher wird das Zwischenzeugnis meist dann ausgestellt, wenn der Vorgesetzte wechselt oder eine Betriebsübernahme ansteht.

Muss der Arbeitgeber ein Arbeits- oder Zwischenzeugnis ausstellen?

Jeder Arbeitnehmer hat einen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Dieses Recht greift dann, wenn die Beschäftigung in einem Betrieb endet. Es muss zudem schriftlich in ausgedruckter Form und unterschrieben übergeben werden.

Im Gegensatz dazu kann der Arbeitnehmer nur dann ein Zwischenzeugnis anfordern, wenn ein „triftiger Grund“ besteht. Das wären zum Beispiel die Beabsichtigung der Bewerbung auf eine neue Stelle, eine Änderung des Aufgabengebietes, Vorgesetzten oder der Betriebszugehörigkeit sowie der erfolgreiche Abschluss eines Projektes.

Empfohlen wird es zudem beim Weggang eines Vorgesetzten, mit dem ein gutes Verhältnis bestand. Die meisten Unternehmen stellen ohne Probleme ein Zwischenzeugnis aus. Sie sollten den Wunsch aber stets begründen können, sonst denken der Personaler oder Vorgesetzte eventuell, dass Sie Ihre Arbeitsstelle demnächst verlassen möchten.

Wie können Rechtsanwaltsfachangestellte die Formulierungen richtig deuten?

Laut Gesetz muss ein Arbeitszeugnis für Rechtsanwaltsfachangestellte mindestens gut sein, also der Note 2 entsprechen. Schlechtere Zeugnisse müssen ausdrücklich begründet werden. Doch wie erkennen Rechtsanwaltsfachangestellte eigentlich, welcher Schulnote ein Zeugnis entspricht? Hierzu ein kleines Beispiel zur Deutung der Formulierung von Arbeitszeugnissen:

  • Note 5: …insgesamt zu unserer Zufriedenheit.
  • Note 4: …zu unserer Zufriedenheit.
  • Note 3: …zu unserer vollen Zufriedenheit.
  • Note 2: …stets zu unserer vollen Zufriedenheit.
  • Note 1: …stets zu unserer vollsten Zufriedenheit.

Tatsächlich sind die Formulierungen der Arbeitszeugnisse ein echter Geheimcode, der nur vom Fachpersonal korrekt entziffert werden kann. Im Internet finden Sie eine Übersicht über die häufigsten Sätze und ihre Bedeutung.

Kann man sein Arbeitszeugnis selbst schreiben?

Die Formulierung vom Arbeitszeugnis sollte nicht aus dem Internet kopiert werden

Die Formulierung vom Arbeitszeugnis sollte nicht aus dem Internet kopiert werden

Der einfachere Weg ist es da, sein Zeugnis einfach selbst zu schreiben. Das mag jetzt reichlich illegal klingen, ist es unter Beachtung der Vorschriften aber nicht einmal. Im Gegenteil: Immer mehr Betriebe verlangen mittlerweile, dass die Angestellten ihre Arbeitszeugnisse selbst einreichen.

Natürlich dürfen Sie hier nicht die Unterschrift fälschen und das Zeugnis direkt an den potenziellen neuen Arbeitgeber senden. Aber Sie haben die Chance, ihre Formulierungen selbst zu wählen und sich ein wirklich gutes Zeugnis zu erstellen. Vielen Arbeitgebern wäre es anschließend zu aufwändig, dieses komplett zu überarbeiten.

Sie setzen ihre Unterschrift darunter und fertig! Wichtig ist jedoch, dass Sie sich ausreichend informieren und bestenfalls von einem Profi unterstützen lassen. Denn schnöde Textbausteine, fehlerhafte Formulierungen oder falsche Formatierungen können bei einer Bewerbung als K.O.-Kriterium gewertet werden.

Musterbeispiel für ein Arbeitszeugnis

Zum besseren Verständnis, haben wir Ihnen hierfür ein Muster-Arbeitszeugnis der Note „sehr gut“ für Rechtsanwaltsfachangestellte angehängt. Übernehmen Sie dieses aber nicht einfach, sondern finden Sie stets individuelle Formulierungen und stellen Sie sich, Ihre Arbeit und Ihre Leistungen möglichst realistisch sowie positiv dar. Wir wünschen viel Erfolg!

Frau Mustermann, geb. am XX.XX.XXXX, war vom XX.XX.XXXX bis zum XX.XX.XXXX in unserer Kanzlei als Rechtsanwaltsfachangestellte tätig. Frau Mustermann war mit allen in dem Sekretariat einer lebhaften Anwaltskanzlei anfallenden Aufgaben betraut. Insbesondere war sie für folgende Bereiche zuständig:

  • Durchführung von Mahnverfahren und Zwangsvollstreckungsmaßnahmen
  • Erstellung von Kostenrechnungen (RVG/BRAGO) sowie Kostenfestsetzungsanträgen Postein- und Ausgang
  • Führung des Kassenbuches
  • Fristeneintragung und Überwachung
  • Erledigung sämtlicher Korrespondenz mit Mandanten, Gerichten und Dritten nach Diktat sowie in Eigenregie
  • eigenständige Erstellung von Anspruchsschreiben und Klagen in Hausgeldsachen
  • Telefonbetreuung
  • Aktenführung und Verwaltung
  • Empfang von Mandanten

Frau Mustermann hat sich äußerst engagiert in ihre neuen Aufgaben eingearbeitet. Bereits nach kurzer Zeit arbeitete Frau Mustermann selbständig, wobei ihr die Fähigkeit Sachverhalte rasch zu erfassen, zu analysieren sowie Problemlösungen aufzuzeigen und umzusetzen zu Gute kam.

Die Tätigkeiten von Frau Mustermann umfassten neben den üblichen Aufgabenbereichen einer Rechtsanwaltsfachangestellten im Wesentlichen das selbständige Schreiben von Schriftsätzen und Führung der Korrespondenz mit Mandanten, die Erledigung von Fristen sowie das eigenständige Erstellen von Kostenrechnungen.

Frau Mustermann erledigte ihre Aufgaben mit großer Sorgfalt und Genauigkeit. Durch ihre umsichtige Arbeitsweise erzielte sie stets gute Ergebnisse. Während ihrer Tätigkeit in unserer Kanzlei erwies sie sich als eine pflichtbewusste und zuverlässige Mitarbeiterin, die ihre Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigte.

Frau Mustermann besitzt eine sehr vorbildliche Arbeitsauffassung. Sie war jederzeit bereit und in der Lage, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen, auch über die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit hinaus. Auch in Zeiten hoher arbeitsmäßiger Belastung konnten wir uns auf sie jederzeit voll verlassen, wobei das außerordentlich hohe Arbeitstempo lobend hervorzuheben ist.

Das Verhalten von Frau Mustermann gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war jederzeit einwandfrei. Sie trug als teamorientierte Mitarbeiterin zu einer guten Zusammenarbeit bei. Darüber hinaus begegnete sie auch unseren Mandanten mit Kompetenz und Freundlichkeit.

Aus betriebsbedingten Gründen konnten wir Frau Mustermann wider Erwarten leider nicht weiter in unserer Kanzlei beschäftigen. Wir bedauern ihr Ausscheiden sehr und verbinden mit dem Dank für die geleistet Arbeit die besten Wünsche für ihre berufliche und private Zukunft. (Quelle: www.urbia.de)

Bildnachweise:
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6 Reaktionen

  1. Nicole S.
    Nicole S. · Februar 29, 2016 at 16:59:12 · →

    ich habe ein zwischenzeugnis bekommen, aber ich finde das nciht gut, was mein chef da geschrieben hat. Kann ich jetzt dagegen vorgehen? Was soll ich tun, ich muss das zeugnis doch später auch mal zeigen.

    1. rechtsanwaltsfachangestellte.org
      rechtsanwaltsfachangestellte.org · März 14, 2016 at 10:57:58 · →

      Hallo Nicole,
      Laut Gewerbeordnung muss ein Zeugnis mindestens die Angaben zu Art und Dauer der Tätigkeit beinhalten. Eine Bewertung über Leistungen und Verhalten stehen in einem qualifizierten Arbeitszeugnis. In Ihrem speziellen Fall können Sie den Arbeitgeber um die einfache Form bitten. Ist eine Böswilligkeit direkt zu erkennen, informieren Sie sich eventuell bei einem Anwalt für Arbeitsrecht, wie Sie weiter vorgehen können, da wir keine Rechtsberatungen anbieten.
      Ihr Team von Rechtsanwaltsfachangestellte.org

  2. Susanne
    Susanne · März 1, 2016 at 11:05:58 · →

    Hallo, ich stehe gerade kurz vor dem Wechsel meines Arbeitgebers. Mein Arbeitszeugnis habe ich bei meinem derzeitigen Chef auch schon vor längerer Zeit angefordert. Doch er lässt sich Zeit. Wenn ich nachfrage, vertröstet er mich. Er hat so viel zu tun, kümmert sich aber drum. Jetzt sind schon 2 Wochen um und mein letzter Arbeitstag rückt immer näher. Was kann ich jetzt machen? Darf mein Chef das überhaupt? Ich hab Angst, dass ich gar kein Zeugnis mehr bekomme. Danke!

    1. rechtsanwaltsfachangestellte.org
      rechtsanwaltsfachangestellte.org · März 14, 2016 at 10:23:04 · →

      Hallo Susanne,
      Sie haben Anspruch auf ein Arbeitszeugnis, mindestens auf eine einfache Form mit den persönlichen Angaben und einer Übersicht über die Aufgabenbereiche, mit denen Sie beschäftigt waren. Der Anspruch auf ein Zeugnis seitens des Arbeitnehmers besteht laut Gewerbeordnung für drei Jahre.
      Ihr Team von Rechtsanwaltsfachangestellte.org

  3. Tanja
    Tanja · März 11, 2016 at 17:04:19 · →

    ich habe gar kein Zeugnis bekommen. Kann ich nachträglich eins bekommen? also ist das die pflicht vom arbeitsgeber eins zu schreiben?

    1. rechtsanwaltsfachangestellte.org
      rechtsanwaltsfachangestellte.org · März 14, 2016 at 10:03:45 · →

      Hallo Tanja,
      Sie haben Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Laut Gewerbeordnung besteht der Anspruch auf ein Zeugnis seitens des Arbeitnehmers für drei Jahre. Dennoch ist es ratsam, sich frühzeitig nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses darum zu kümmern.
      Ihr Team von Rechtsanwaltsfachangestellte.org

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