Wenn der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht, handelt es sich für den Betroffenen oftmals um alles andere als einen angenehmen Besuch. Ein Gerichtsvollzieher braucht ein dickes Fell und dennoch genügend Einfühlungsvermögen im Umgang mit den Schuldnern. Wenn Sie eine Ausbildung zur/zum Rechtsanwaltsfachangestellten erfolgreich abgeschlossen haben, können Sie sich auch für die Laufbahn eines Gerichtsvollziehers entschließen. Doch welche Aufgaben hat ein Gerichtsvollzieher? Wie lange dauert die zusätzliche Ausbildung? Wie hoch ist der Verdienst von einem Gerichtsvollzieher? Und wie wird man überhaupt Gerichtsvollzieher?

Der Beruf “Gerichtsvollzieher/Gerichtsvollzieherin” – Aufgaben und Einsatzgebiete

Wer Schulden hat, kann schnell auch mal Besuch vom Gerichtsvollzieher bekommen.

Wer Schulden hat, kann schnell auch mal Besuch vom Gerichtsvollzieher bekommen.

Die meisten Leute verbinden mit dem Berufsstand der Gerichtsvollzieher nichts Gutes: Besonders Menschen, die mit Schulden zu kämpfen haben, fürchten seinen Besuch. Doch das Berufsfeld ist wesentlich weiter gefächert, die reine Schuldeneintreibung und Zwangsvollstreckung steht nicht im Mittelpunkt der Aufgaben.

Besonders Rechtsanwälte kommunizieren von Zeit zu Zeit mit dem Gerichtsvollzieher. Grund hierfür ist der Wunsch, einen Schriftsatz, Rechnungen, eine Mitteilung über die Zwangsvollstreckung u.a. an einen Mandanten oder Gegner zustellen zu lassen. Die Zustellung über den Gerichtsvollzieher ist dann von großer Bedeutung, wenn der Nachweis über die Sendung der Unterlagen im Zweifelsfall auch vor Gerichten standhalten soll. Die einfache Übersendung von Schriftsätzen per Einschreiben/Rückschein genügt hierfür in der Regel nicht.

Damit die Adressaten nicht behaupten können, sie hätten das Schreiben nie erhalten, können Amtsgericht, Anwalt, Notar und auch andere Berufsgruppen auf den Dienst der staatlichen Gerichtsvollzieher zurückgreifen. Als Gerichtvollzieher stellen Sie den Brief entweder persönlich zu und lassen sich den Empfang quittieren oder aber – wenn Sie den Empfänger nicht persönlich antreffen – Sie hinterlegen ihn im Briefkasten. Auch dann gilt das Schreiben als zugestellt. Der Auftraggeber erhält eine beweiskräftige Zustellbestätigung.

Neben diesem kostenpflichtigen Dienst sollen Gerichtsvollzieher insbesondere gerichtliche Entscheidungen durchsetzen – vor allem im wirtschaftlichen Bereich. Ist in einer Familiensache etwa die Kontenpfändung einer unterhaltspflichtigen Partei beschlossen worden – dies geschieht oft im Falle der Zahlungsverweigerung – , tragen die Gerichtsvollzieher für die Durchführung die Verantwortung.

Auch die Bearbeitung von Mahnbescheiden – etwa wegen unbezahlter Gerichtskosten – fällt in den Arbeitsbereich dieser Berufsgruppe. Ist in einem Urteil der Vollstreckungsbescheid ergangen und der Schuldner, der eine Geldstrafe zahlen muss, reagiert nicht rechtszeitig, kann er ebenfalls damit rechnen, dass er Besuch von einem Gerichtsvollzieher bekommt.

Gerichtsvollzieher – der Hausbesuch bei Schuldnern

Auftraggeber des Gerichtsvollziehers können neben einem Amtsgericht Anwälte, Gerichte, Unternehmen, Krankenkassen usf. sein. Sie müssen für den Dienst des Gerichtsvollziehers in der Regel die Kosten tragen.

Kann ein Schuldner die Gläubigerforderung nicht begleichen, kann der Hausbesuch eines Gerichtsvollziehers bevorstehen. In der Regel sind hierfür feste Termine vereinbart, zu dem der Gläubiger an seinem Wohnsitz anzutreffen sein muss. Besonders für solche Termine benötigt ein Gerichtsvollzieher viel Einfühlungsvermögen.

Oftmals trifft er im Haushalt von Schuldnern auf schwere Schicksale. Nicht alle haben die Verschuldung selbst zu verantworten – manche haben ihren Job verloren und konnten Raten einfach nicht mehr bedienen, andere sind Betrügern aufgesessen oder haben Schäden nicht von der Versicherung regulieren lassen können.

Der Gerichtsvollzieher ist Mittler zwischen Gläubigern und Schuldnern. Er versucht dabei jedoch nicht, die Forderungen unter allen Umständen auszulösen, sondern soll die für alle Beteiligten beste Variante der Schuldentilgung finden.

Im persönlichen Gespräch erläutert der Gerichtsvollzieher zuerst die Gesamtforderung seines Auftraggebers. Hiernach erfolgt die Aufstellung aller finanzieller und materieller Güter – auch des Bargeldbestandes – des Schuldners. Bargeld kann er einziehen und auf die Forderung anrechnen. Zudem kann der Gerichtsvollzieher gemeinsam mit dem Schuldner einen Ratenplan erstellen, der den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Betroffenen angepasst ist, dabei die Verpflichtung gegenüber dem Auftraggeber aber nicht außer Acht lässt.

Nach einer Begutachtung des Hausrats kann er gegebenenfalls einzelne Gegenstände für die Tilgung der offenen Forderungen heranziehen. Diese beklebt er mit einem Pfandsiegel – umgangssprachlich “Kuckkuck”. Das Siegel dürfen Sie von den Objekten nicht entfernen. Die ausgewählten Gegenstände werden bei einem weiteren Termin abgeholt und für die Versteigerung vorgesehen. Der Verkaufserlös findet dann Anrechnung auf die Schulden des Betroffenen.

Der Gerichtsvollzieher ist Mittler zwischen Schuldner und Gläubiger.

Der Gerichtsvollzieher ist Mittler zwischen Schuldner und Gläubiger.

Ein Gerichtsvollzieher darf nicht nach Belieben Gegenstände pfänden. Er muss sich an gesetzliche Vorgaben halten. Ist zum Beispiel nur ein Fernseher im Haushalt vorhanden, darf dieser nicht mit einem Pfandsiegel versehen werden, da jede Person ein Anrecht auf den freien Zugang zu Medien und Informationen hat. Auch Gegenstände, die sich im Besitz anderer Bewohner befinden – und damit nicht dem Schuldner gehören – darf er nicht pfänden.

Sind weder Pfändung noch Eintreibung der Schulden möglich, muss der Gerichtsvollzieher eine eidesstattliche Versicherung mit dem Schuldner aufsetzen, in der letzterer bekennt, dass er nicht in der Lage ist, die Zahlung zu leisten.

Doch nicht nur Empathie ist wichtig in diesem Beruf. Ein Gerichtsvollzieher muss auch damit zurechtkommen, dass sich wohl nur die wenigsten über seinen Besuch freuen. Ein nicht allzu freundlicher Empfang ist leider keine Seltenheit – und nicht immer sind die ihm gegenüberstehenden Personen aufrichtig. Insgesamt jedoch zeichnet sich der Beruf durch den besonderen Abwechslungsreichtum aus. Es handelt sich nicht um einen trockenen Bürojob. Als Gerichtsvollzieher sind Sie auch häufig unterwegs und kommen in Kontakt mit den unterschiedlichsten Menschen.

Die Ausbildung zum Gerichtsvollzieher

Die Gerichtsvollzieher-Ausbildung erstreckt sich in der Regel über einen Zeitraum von anderthalb bis zwei Jahren. Es handelt sich hierbei um eine vergütete Vollzeitbeschäftigung.

Sie fühlen sich den beruflichen und persönlichen Anforderungen gewachsen und fragen sich: “Wie werde ich Gerichtsvollzieher?”. Je nach Bundesland unterscheiden sich die Zugangsvoraussetzungen für die Zusatzausbildung.

In der Regel müssen die Bewerber eine mindestens dreijährige Beruferfahrung als Justizfachangestellte nachweisen können. Unter Umständen steht diese Ausbildung auch Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten offen. Erkundigen Sie sich hierzu über die Zugangsvoraussetzungen in den einzelnen Bundesländern.

Neben den beruflichen Voraussetzungen müssen in Berlin z. B. weitere Voraussetzungen erfüllt sein, um in dem strengen Bewerberverfahren zu bestehen. Neben einer dreijährigen Berufspraxis müssen die Bewerber auch nachweisen, dass sie den besonderen Anforderungen an einen Gerichtsvollzieher gewachsen sind.

Neben einem ärztlichen Gutachten, dass über Ihre körperliche und psychische Eignung Aufschluss geben soll, dürfen Sie selbst als Anwärter nicht zu stark verschuldet sein bzw. Ihre wirtschaftlichen Verhältnisse fest im Blick haben.

Haben Sie selbst schon einmal Post oder Besuch von einem Gerichtsvollzieher erhalten, disqualifiziert Sie dies in der Regel für den gewählten Weiterbildungsweg. Zudem soll ein Arbeitszeugnis von Ihrem aktuellen Arbeitgeber über Ihre dienstliche Qualifikation Auskunft geben.

Die Voraussetzungen:

  • mindestens dreijährige Berufspraxis im mittleren Justizdienst (behördliche Anstellung), ggf. auch als Rechtsanwaltsfachangestelle/r
  • geordnete wirtschaftliche Verhältnisse
  • bei Ausbildungsbeginn nicht älter als 40 Jahre

Da in der Regel nur wenige Gerichtsvollzieherstellen angeboten werden, ist das Auswahlverfahren sehr streng.

Die Ausbildung zum Gerichtsvollzieher – Fortbildungsinhalte

Die Ausbildung findet zum Teil in Justizbildungsstätten – Berufsschulen – und bei einem anerkannten Gerichtsvollzieher statt. Die beiden Umfelder sollen dem Aspiranten dabei unterschiedliche Lehrinhalte vermitteln.

In der Berufsschule:

  • rechtliche Grundlagen für den Gerichtsvollzieherdienst: Vollstreckungsrecht, Zustellungsrecht, Kostenrecht, Insolvenzordnung, Gerichtsvollziehergeschäftsordnung und -anweisung
  • allgemeine Rechtsgrundlage: bürgerliches Recht, Handels- und Gesellschaftsrecht, Wechsel- und Scheckrecht, Zivilprozessordnung, Gerichtsverfassung, öffentliches Recht, Strafrecht, Prozessrecht
  • allgemeiner Überblick: Steuerrecht, Abgabenecht, Arbeitsrecht
  • allgemeine Grundlagen: Organisation im Büro, Kommunikation, Konfliktbewältigung
Weiterbildung zum Gerichtsvollzieher: Die Auswahlkriterien sind aufgrund der geringen Stellenangebote relativ streng.

Weiterbildung zum Gerichtsvollzieher: Die Auswahlkriterien sind aufgrund der geringen Stellenangebote relativ streng.

Beim Gerichtsvollzieher:

  • praktische Erfahrungen im Gerichtsvollzieherdienst
  • Führung von Geschäftsbüchern
  • Vorbereitung von Protokollen, Urkunden usf.
  • Rechnungswesen
  • erste Außentermine

Um als staatlich anerkannter Gerichtsvollzieher arbeiten zu können, bedarf es nach der erfolgreichen Weiterbildung in der Regel einer einjährigen Bewährungszeit im Gerichtsvollzieherdienst.

Gerichtsvollzieher – wie viel Gehalt ist möglich?
Gerichtsvollzieher sind Angestellte des öffentlichen Dienstes. Die Vergütung richtet sich daher nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L). Das Gehalt von einem Gerichtsvollzieher steigt mit der Anzahl der Berufsjahre.

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